Künstlerischer Ansatz
“Meistens sehe ich den Baum nicht, der vor mir steht. Während ich ihn betrachte, bin ich von tausend Baumideen gefangen, die sich in meinem Kopf drehen. Ich warte, bis sie sich beruhigen... Dann bemerke ich vielleicht eine kleine Bewegung, fast nichts, die eine Richtung anzeigt. Ich vertraue ihr, denn ich spüre, dass sie weder vom Geplapper von vorhin noch von einer emotionalen Projektion stammt. Diese entstehende Bewegung hält inne und setzt wieder ein, wenn ich ganz frei und ruhig bleibe. Ein Rhythmus erscheint und verleiht ihr ein wenig Kraft. Dieses Leben zirkuliert weiter. Ich nenne diese Bewegung: Empfindung. Eine leichte Kraft ist nicht weit: die tanzende Energie, die das Auge durch die Linie entdeckt, die sich von den Formen (der Äste) befreit.” Luftige Linie, an den Atem gebunden. (11.7.99)
“Wenn ich zu sehen vermag, wohin die Energie im Baum geht, dann schickt mir der Baum eine neue Energie zurück, die in einer Zeichnung Gestalt annehmen kann. Sie kann sich langsam im Körper der Zeichnung ausbreiten: ihn andauern lassen, ihn bewohnen.(13.8.99)
Wie nimmt man die Lichtschwingung im Baum wahr?
Die Lichtschwingung entsteht durch das Zusammentreffen der drei Grundfarben: Rot, Blau und Gelb. Diese Farben stoßen im Pinsel aufeinander. Ihr Unterschied erzeugt eine Schwingung, elektrisiert den Strich, öffnet einen Lichtraum.” In diesem Raum kommen die Bäume aus der Dunkelheit, sie strahlen. (5.8.14)
BIOGRAPHISCHE ANGABEN
Alexandre HOLLAN
UNGARN
Alexandre Hollan wurde 1933 in Budapest geboren. Er lebt seit 1956 in Frankreich und studierte in Paris an den Écoles des Beaux-Arts und des Arts Décoratifs. Er lebt abwechselnd in der Garrigue des Languedoc und in seinen Ateliers in Paris und Ivry.
Er erforscht das Geheimnis des Sehens und der Farbe anhand zweier großer Themen: der Bäume und der „stillen Leben“. Bei dieser Suche begleiten seine Notizen zur Malerei seine Arbeit vor dem Motiv („Je suis ce que je vois“, Bände 1 und 2, Editions Le Temps qu’il fait).
Der große Dichter Yves Bonnefoy widmete ihm mehrere Texte, „L’arbre au-delà des images“, Editions William Blake & Cie, sowie eine Monografie, „La journée d’Alexandre Hollan“, Editions Le temps qu’il fait.
Aus dem Dialog des Malers mit Dichtern wie Jacques Ancet, Philippe Jaccottet, Claude Louis-Combet, Luis Mizon, Salah Stétié, Pierre-Alain Tâche, Jong N.Woo, Louise Warren… sind mehr als vierzig Kunstbücher und Künstlerbücher hervorgegangen.