Künstlerischer Ansatz
Der zweite der dreijährigen Aufträge der Region Centre-Val de Loire für die Domaine de Chaumont-sur-Loire wurde Sarkis anvertraut (2011-2013). Sarkis hinterließ hier 12 der 72 Glasfenster, die er eigens für die Domaine entwarf.
Das von einem tiefen Humanismus geprägte Schaffen von Sarkis besteht aus Inszenierungen von Gegenständen, Skulpturen, Aquarellen, Fotografien und Filmen, die der Künstler selbst gestaltet, voller historischer, philosophischer, theologischer, künstlerischer und geopolitischer Bezüge. Sie versuchen unablässig, eine Brücke zwischen den Werken der Vergangenheit und der heutigen Welt zu schlagen. Ob Kunstwerke oder monumentale Arbeiten für Stadtviertel: Es sind allesamt Orte, die er sich jedes Mal auf andere Weise aneignet (Material, Licht, Farben).
Sarkis konzipierte diesen Lichtparcours als Initiationsweg, eine gedankliche Route, entlang der der Besucher seine eigene Geschichte aufbaut. Er platzierte seine Glaskunstwerke vor den Fenstern der ehemaligen Dienstbotenzimmer des Schlosses. Diese Glasfenster mit Darstellungen von Leben und Tod, Liebe und Architektur sind Momentaufnahmen vergangener Zeiten und Zukunftsvisionen. Sarkis stellt Bilder alter Techniken Bildern aus dem Alltag gegenüber.
Diese Glasfenster verwandeln sich unter dem Einfluss des stets wechselnden Lichts. Nachts werden sie von LEDs beleuchtet, die die Rolle des Tageslichts übernehmen.
BIOGRAFISCHE ANGABEN
Sarkis
TÜRKEI
Sarkis wurde 1938 in Istanbul, Türkei, geboren. Er lebt und arbeitet in Paris.
Sarkis schloss sein Studium an der Kunstakademie Mimar Sinan in Istanbul ab und hatte 1960 seine erste Ausstellung in der Istanbul Art Gallery, bevor er sich 1964 in Paris niederließ. Er arbeitet mit verschiedenen Medien und wird Ende der 60er Jahre zu einer Ikone der zeitgenössischen Kunst, vor allem mit seinen Installationen.
2010 treten die Installationen von Sarkis während der Ausstellung Passages im Centre Pompidou in Paris in einen Dialog mit den Werken von Kasimir Malewitsch, André Breton und Joseph Beuys, einem der Vorbilder von Sarkis. Passages ruft einerseits die Idee des ständigen Übergangs vom Atelier ins Museum hervor und erinnert andererseits an die überdachten Pariser (Einkaufs-)Passagen Walter Benjamins.
Seine Werke, in denen der Künstler seinen „Kriegsschatz“ verwendet, setzen sich aus Fundstücken, Kunstobjekten und ethnischen Gegenständen aus verschiedenen Kulturen zusammen.
2011 widmet das Musée d’Art Moderne et Contemporain in Genf (Schweiz) dem Werk des Künstlers eine bedeutende Retrospektive mit dem Titel Hôtel Sarkis.
2012 präsentiert Sarkis auf Einladung des Museum Boijmans Van Beuningen und des Hafens Rotterdam (Niederlande) Ballads und anschließend Ailleurs, Ici in der Domaine de Chaumont-sur-Loire. Im selben Jahr nimmt Sarkis in Paris an La Triennale – Intense Proximité im Palais de Tokyo und an „Néon, who’s afraid of red, yellow and blue?“ in der Maison rouge – Fondation Antoine de Galbert teil, ebenso an der Ausstellung Istanbul Modern im Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam (Niederlande).
2013 ist Sarkis während der 55. Biennale von Venedig Teil der Ausstellung When attitudes become form: Bern 1969/Venice 2013 in der Fondazione Prada (Venedig, Italien), einer „Wiederholung“ der historischen Ausstellung von 1969 in der Kunsthalle Bern (Schweiz) Quand les attitudes deviennent formes (When attitudes become form: live in your head). Zu dieser Ausstellung war Sarkis damals bereits von dem berühmten Kunsthistoriker und Kurator der Schweizer Ausstellung, Harald Szeemann, eingeladen worden.
2014 widmet ihm das Museum im Schloss der Herzöge von Württemberg in Montbéliard eine bedeutende Einzelausstellung.
2015 wird Sarkis anlässlich der 56. Biennale von Venedig (Italien) eingeladen, als Künstler den Pavillon der Türkei zu vertreten, und nimmt an der Ausstellung Armenity im Pavillon der Republik Armenien teil, der einen Goldenen Löwen gewinnt. Im September stellt er auf der 14. Biennale von Istanbul (Türkei) aus und ist außerdem Gast der Villa Empain - Fondation Boghossian in Brüssel (Belgien) anlässlich der Ausstellung Sarkis mit Paradjanov.